„Aber ich habe im Millionenbereich gespielt, also allein vom Umsatz her.“ Zuständig für den Glücksspielstaatsvertrag sind die Länder. Die Innenministerkonferenz beschäftigte sich im Dezember mit Sportwetten-Werbung.
| Emotion | Wie erzeugt? | Typisches Werbemittel | Beispiel-Szenario |
|---|---|---|---|
| Spannung & Vorfreude | Countdowns, Nahaufnahmen von Sportlern | TV-Spot vor Spielbeginn | Fan schaut gespannt auf Handy, kurz vor Anpfiff |
| Gemeinschaftsgefühl | Gruppen von Freunden beim Public Viewing | Social-Media-Video | Freunde feieren gemeinsam ein Tor und ihren Tipp |
| Kompetenz & Kontrolle | Darstellung von Analyse-Tools in der App | Erklärvideo auf YouTube | Nutzer studiert Statistiken vor der Wettabgabe |
| Freude über Gewinn | Übertriebene, aber glaubwürdige Freudenreaktionen | Kurzspot für Online-Video | Person springt jubelnd vom Sofa bei spätem Siegtor |
Bremens Senator Mäurer wollte ein Verbot erwirken – scheiterte aber an der Position seiner Amtskollegen. Die aktuelle Rechtslage bezeichnet der SPD-Politiker als schlechten Kompromiss.
| Person/Figur | Rolle in der Werbung | Zeitraum | Ziel der Nutzung |
|---|---|---|---|
| "Der Tipico-Mann" (Schauspieler) | Sympathischer Markenbotschafter | ~2010-2016 | Vertrauensaufbau, Wiedererkennung |
| Basti Schweinsteiger (Fußballer) | Testimonial für Kampagne | 2017-2019 | Glaubwürdigkeit, Sportkompetenz |
| Alltagsmenschen (Diverse) | Protagonisten in Spots | 2020-heute | Identifikation, Normalisierung |
| Sportkommentatoren (Stimmen) | Voice-Over in Werbevideos | durchgehend | Authentizität, Sportsound |
„Die Regelungen gehen nicht weit genug, den Wettanbietern müssen deutlichere Grenzen gesetzt werden.“ Mäurer fordert daher ein „radikales Umdenken“. „Wenn wir erst mal ein paar Millionen Spielsüchtige in Deutschland haben, ist es zu spät.“ Der sportpolitische Sprecher der CDU/CSU, Stephan Mayer, schlägt andere Töne an – und spricht von einem „langwierig verhandelten, fairen und guten Kompromiss“.
- Aufforderungen zur Teilnahme an Sportwetten mit prominenten Fußballspielern als Testimonials
- Werbung für Live-Wetten während laufender Bundesliga-Spiele
- Anzeigen mit großen Gewinnsummen und jubelnden Personen
- Sponsoring von Sportübertragungen mit eingeblendeten Wettquoten
- Werbebotschaften, die auf "Spannung" und "mitfiebern" abzielen
Ähnlich argumentiert sein FDP-Amtskollege, Philipp Hartewig. Er bewertet den Glückspielstaatsvertrag als „sinnvollen Schritt in die richtige Richtung“.
- Einsatz von Hashtags wie #Tipico oder #Wettsieg in sozialen Medien
- Werbung für Sportwetten als unterhaltsame Begleitung zum Spiel
- Kampagnen, die auf den Gemeinschaftsaspekt ("Tipprunde") setzen
- Gezielte Ansprache von jungen, sportbegeisterten Erwachsenen
- Integrierte Wettmöglichkeiten in Livetickern von Sport-Apps
Der Jugendschutz müsse aber ebenso betrachtet werden, wie die Suchtprävention und die Eindämmung der Schwarzmarkt-Kriminalität.
Höher, schneller, weiter: Sportwetten in Deutschland feiern Rekordumsatz
In Zeiten der Geisterspiele fanden sich Fans auf der Couch vor dem Fernseher wieder. Der Griff zum Handy nicht weit, der nächste Tipp nur wenige Klicks entfernt. „Insbesondere durch die Sponsoring-Ausfälle in Folge der Corona-Pandemie tauchte die Werbung für Sportwetten in den Stadien noch einmal verstärkt auf“, sagt Grünen-Politiker Philip Krämer. Der finanzielle Erfolg der Wettanbieter fußt auf den Verlusten der Kunden. Vor allem von denen der Vielspieler, die hohe Beträge setzen.
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Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sind in Deutschland rund eine halbe Million Menschen glücksspielsüchtig. Wie viele davon auf den Sportwettenmarkt entfallen, ist nicht bekannt. Zumal Sportwetten als „Glücksspiele mit Kompetenzanteil“ gelten, also in der Theorie beeinflussbar sind. Aktuelle Studien gehen derweil von über eine Million Betroffenen aus, mit einer Vielzahl an Menschen mit riskantem Spielverhalten. Das „Bündnis gegen Sportwetten-Werbung“ schreibt: „Unter den Personen, die an Sportwetten teilnehmen, haben nur knapp 50 Prozent ein vollkommen unproblematisches Spielverhalten.“ Oft würden ganze Familien ruiniert werden, sagt Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD), ein Verfechter stärkerer Werberegulierungen.
So qualifiziert ihr euch für die Tipico Aktion
„Schätzungen gehen davon aus, dass pro glücksspielsüchtiger Person bis zu 15 Angehörige betroffen sind und von den Folgen der Spielsucht in Mitleidenschaft gezogen werden.“ Das weiß auch Fabian, der 14 Jahre lang wettsüchtig war und unserer Redaktion seine Geschichte erzählte. Dazu erklärt das „Bündnis gegen Sportwetten-Werbung“: Junge, männliche Mitglieder von Sportvereinen wetten deutlich häufiger und sind auch anfälliger, ein risikoreiches Verhalten zu entwickeln. (Dabei überschätzen sie jedoch ihre Kompetenz, wie Studien gezeigt haben). Für die Vereine der Fußball-Bundesliga sind Wettanbieter ein wichtiger – weil lukrativer – Werbepartner. Die meisten Klubs haben einen „offiziellen Sportwettenpartner“, wie gleich fünf Bundesligaklubs ihr Engagement mit Betway beschreiben. Die FDP sieht die Debatte auch aus einer ökonomischen Perspektive. Ein Teil der Einnahmen aus Sportwetten müsse „weiterhin zur Förderung öffentlicher und steuerbegünstigter Zwecke verwendet werden.“ Würde man Glücksspiel-Werbung weiter regulieren, gingen dem Staat Steuereinnahmen der Wettanbieter verloren. „Sportwettenanbieter führen nach eigenen Angaben gemäß Rennwett- und Lotteriegesetz Sportwettsteuern in Deutschland ab“, erklärt Hartewig. 2021 seien das 470 Millionen Euro gewesen.
Werbung mit Suchtpotenzial
„Dadurch merke ich immer wieder aufs Neue, wie viel Macht die Sportwetten im Fußballbereich eingenommen haben.“ Eine Macht, die immer mehr Rendite abwirft – und kaum reguliert wird, wie Experten aus Politik und Wissenschaft Merkur.de von IPPEN.MEDIA erzählen. Zur neuen Bundesligasaison rührten Anbieter wie bwin oder tipico die Werbetrommel für den Saisonauftakt. Auf ihren Homepages und vor allem in den Medien. Fans werden geradezu dazu aufgerufen, auf den Ausgang der Spiele zu tippen. Der Verein „Unsere Kurve e.V.“ sieht „eine Grenze des Erträglichen überschritten“.
➡️ Kann ich bei Tipico legal wetten?
Fansprecher Markus Sotirianos meint: „Fußball-Interessierte können sich der Werbung kaum noch entziehen.“ Ilona Füchtenschnieder vom Fachverband Glücksspielsucht spricht von „Werbeirrsinn“ und „Etikettenschwindel“, Professor Nicolas Klein von Transparency International von „verantwortungsloser Sportwetten-Werbung“. Es werde zu wenig auf die Gefahren des Wettens eingegangen. Die Experten unterstützen das auf Initiative von Fanorganisationen gegründete „Bündnis gegen Sportwetten-Werbung“. Es fordert die weitestgehende Einschränkung von Sportwetten-Werbung in Deutschland. Das IPPEN.MEDIA-Netzwerk ist einer der größten Online-Publisher Deutschlands.
Werbeausgaben von Glücksspiel-Anbietern
An den Standorten Berlin, Hamburg/Bremen, München, Frankfurt, Köln, Stuttgart und Wien recherchieren und publizieren Journalistinnen und Journalisten unserer Zentralredaktion für mehr als 50 Nachrichtenangebote. Dazu zählen u.a. Marken wie Merkur.de, FR.de und BuzzFeed Deutschland. Unsere Nachrichten, Interviews, Analysen und Kommentare erreichen mehr als 5 Millionen Menschen täglich in Deutschland. Im Jahr 2021 machte allein der deutsche Markt 9,4 Milliarden Euro Umsatz: ein neuer Rekordwert. Der Grünen-Politiker Krämer wiederum will die Werbung regulieren. Er kritisiert die Fernsehclips am Rande von Fußballspielen als „oftmals sehr martialisch“ und „in höchstem Maße manipulativ“. Krämer ist Mitglied im Sportausschuss und sagte unserer Redaktion: „Die Zunahme der Werbung für Sportwetten ist höchst problematisch und sollte von der Politik regulierend angegangen werden.“ Er nimmt neben den Ländern auch die Vereine in die Pflicht und nennt die Selbstverpflichtung auf den Verzicht von Sportwetten-Werbung als denkbare Option. „Das wäre eine gute Lösung, weil die Vereine und Verbände ihrer gesellschaftlichen Verantwortung dadurch gerecht würden.“ Interessant ist der Blick in andere Länder, wo es beide Extreme gibt. In Italien und Spanien gelten Werbeverbote für Sportwetten im Fernsehen. In den Niederlanden, Belgien und Dänemark diskutiert die Politik derzeit über entsprechende Verbote. In England wiederum gehört die Konfrontation mit Wettanbietern zum Fußballschauen dazu.
Wirf dein Geld nicht zum Fenster raus!
Auch die deutsche Nationalmannschaft hat einen Werbedeal mit einem Wettanbieter abgeschlossen. Liga werden von bwin gesponsert, Tipico ist offizieller Partner der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und damit der 1. und 2. Der „Tipico-Countdown“ stimmt die Sky-Zuschauer auf die Spiele um 15.30 Uhr ein, ehe es um 18.30 Uhr zum „Tipico-Topspiel“ kommt. Zudem sah man vergangenes Jahr Sportikonen wie Oliver Kahn oder Lothar Matthäus für „Ihre Wette in sicheren Händen“ oder „den sicheren Tipp für euch“ werben.
🙂 Tipico Boni für Bestandskunden
Das schaffte Authentizität – und ist mittlerweile verboten. Seit Inkrafttreten des aktuellen Glücksspielstaatsvertrags am 1. Juli 2021 dürfen aktive Sportler und Funktionäre nicht mehr für Wettanbieter werben. Die bet sportwetten apps schweiz Werbeplattform Stadion wird im Glücksspielstaatsvertrag sogar ausdrücklich gestattet. In Sportstätten ist Werbung für Glücksspiele nur in Form der Dachmarkenwerbung auf Trikots und Banden sowie ähnlichen Werbemitteln erlaubt.
➡️ Ist ein Tipico Code für Bestandskunden-Angebote erforderlich?
Aus Sicht des Sucht- und Drogenbeauftragen der Bundesregierung, Burkard Blienert (SPD), „ist Werbung für suchtgefährdende Angebote nie etwas Sinnvolles“. Denn Sportwetten-Werbung erreicht zwangsläufig auch suchtanfällige Menschen, wie Suchtexpertin Gabriele Koller von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der LMU München erzählt. Die Werbung erzeuge „natürlich einen gewissen Suchtdruck“. Im Zusammenhang mit Wettsüchtigen spricht Koller vom Auslösen eines „Cravings“. Der englische Begriff meint das starke Verlangen bei Suchtkranken, das durch gewisse äußere Faktoren (sogenannte Trigger) beeinflusst wird. Premier-League-Klubs wie West Ham United oder der FC Southampton laufen mit einem Wettanbieter als Trikotsponsor auf.
Acht Jahre im Dienste der Marke
„Die Werbung schafft einen zusätzlichen Anreiz zum Spielen.“ Blienert wünscht sich „natürlich so wenig Werbung für Sportwetten wie möglich, am besten überhaupt keine.“ Es sei „eine ganz schlechte Entwicklung“, dass Werbung und Sponsoring im Profifußball in den letzten Jahren eine so dominante Rolle eingenommen haben. „Man fragt sich ja schon fast, was eigentlich im Vordergrund steht, der Sport oder das große Wettbusiness.“ Er fordert daher eine „vernünftige Werberegulierung für Sportwetten“. Konkret: ein Verbot der Fernseh-, Rundfunk- und Internetwerbung vor 21 Uhr, wie dies für Onlinecasinos der Fall ist. „Damit würde zumindest der Jugendschutz ein Stück weit gestärkt.“ Tobias Blümel war 16, als er das erste Mal getippt hat, offiziell erlaubt sind Sportwetten erst ab dem Erwachsenenalter. Wie viel er verloren hat, kann er nicht genau sagen. Faninitiativen wie die Coalition Against Gambling Ads (zu Deutsch: Gemeinschaft gegen Glücksspielwerbung) wollen das ändern. Unterstützung erhalten sie von Vereinen aus den unteren Ligen, etwa vom Drittligisten Forest Green Rovers, der als erster Klub in England Sportwetten-Werbung im Stadion verbot. Die einflussreichen Klubs schweigen hingegen – ebenso wie der von Sky Bet gesponsorte Verband, der zwar zum „sicheren Glücksspiel“ aufruft und Kampagnen startet – sich aber gleichzeitig offenbar nicht die Einnahmen seines wichtigen Partners entgehen lassen will. Einnahmen, von denen hierzulande auch der deutsche Verband profitiert.
- Social-Media-Kampagnen mit kurzen, actionreichen Clips
- Angebote für Neukunden wie "100% Einzahlungsbonus" oder "Wett-Credit"
- Betonung der einfachen Bedienung der Wett-App
- Werbung für spezielle Aktionen zu Großereignissen wie der Champions League
Eine Anfrage von Merkur.de von IPPEN.MEDIA an die DFL blieb unbeantwortet. In Richtung DFL, vor allem aber an die Adresse der Politik, zeigt das neugegründete Bündnis die „Rote Karte für Sportwetten-Werbung“.
| Vorgabe | Umsetzung in Tipico-Werbung | Platzierung | Beispieltext |
|---|---|---|---|
| Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV) | Pflicht-Hinweise in Audiospur und Bild | Am Spot-Ende, Untertitel | "Spiel verantwortungsvoll. Ab 18." |
| Werbeverbot für Minderjährige | Darstellung nur von Erwachsenen, Alterscheck | Inhalt der Spots, Zielgruppensteuerung | Keine Darstellung von unter 18-Jährigen |
| Hinweis auf Spielsuchtgefahr | Einblendung der Hilfe-Hotline | Bildschirmeinblendung, Website-Footer | "Hilfe unter 0800 1372700 (kostenlos)" |
| Verbot irreführender Werbung | Realistische Gewinndarstellung, "kann süchtig machen" | Integriert in Claims und Botschaften | "Gewinnen ist nicht garantiert." |
Sie hätte mit den propagierten Werten des populärsten Sports der Welt nicht zu tun. „Das Geschäftsmodell beruht darauf, Menschen zum Wetten zu verleiten und daraus Geld zu machen.“ Das weiß auch Ex-Zocker Blümel: Zur „Macht der Sportwetten“ sagt er: „Das muss einfach eingedämmt werden.“ Bei Sportwetten gewinnen in erster Linie die Anbieter.
- Willkommensbonus und Aktionen für Live-Wettkunden
- Sichere Wettplattformen abseits der OASIS Sperrdatei nutzen
- Starte mit einem kostenlosen Wetteinsatz in Ihr Spiel
- Kundenservice in deutscher Sprache bei neuen Anbietern
- Boni im Online Casino ohne Einzahlung: Deshalb sind sie so beliebt!
- Apuestas a Portugal en la Eurocopa 2024
- Marcas licenciadas pelo SRIJ